Sonntag, 11. Juni 2017

One-Shot: Das Grauen von den Sternen (GRIN)

Unser im vergangenen Blogeintrag angekündigtes Horror-Kurzabenteuer für das Spiel Grin ging soeben zuende und es war tatsächlich ein wirklich toller Abend! Die Karten erfüllten ihren Zweck wunderbar und mit der Zeit stieg die Verzweiflung von Charakteren und Spielern merklich an. Es war sogar für mich als Spielleiter eine der unheimlichsten Rollenspielrunden ever!


Aber der Reihe nach. Das Abenteuer habe ich selbst recht spontan, basierend auf losen Ideen aus einem Alien-Horrorfilm, entworfen. Es spielte im Jahre 1994 in Deutschland. Für die zwei Spieler, die miteinander befreundete Studenten aus Berlin spielen sollten, bereitete ich passende Fragebögen zu ihren Charakteren vor.

Es entstanden ein strebsamer Geschichtswissenschaftler namens Valentin und ein nerdiger Biologiestudent mit dem komischen Namen North Schuh (!) und einer tragischen Familiengeschichte.
Beide bezeichneten sich gegenseitig als beste Freunde und sie waren mit einem Fiat auf dem Weg von Berlin nach Duisburg, wo sie gemeinsam Recherchen für Valentins Studium anstellen wollten.
Leider kamen sie nur bis zu einem Tunnel auf einer Landstraße (sie hatten sich entschieden auf einer Landstraße einen Autobahn-Stau zu umfahren), der von stehenden, offenbar verunglückten Autos verstellt war. Es kam fast zu einem verhängnisvollen Crash, aber Valentin konnte den Fiat noch rechtzeitig zum stehen bringen. Der Motor seines geliebten Studentenmobils ging plötzlich auch aus und ließ sich nicht wieder starten.
Die beiden Charaktere verließen den Wagen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Es waren tatsächlich richtig viele herumstehende und ineinander gefahrene Autos auf der Straße zu sehen, bis weit in den Tunnel hinein. Überall Scherben, beschädigte Fahrzeuge, wild herumliegende Gegenstände...aber keine Lebenszeichen von Menschen! Seltsam! Zudem funktionierte keines der Autos mehr und auch die elektrischen Geräte der Charaktere, auch batteriebetriebene, machten schlapp. In einem Autowrack entdeckten die beiden dann einen winselnden kleinen Hund, der leider eingeklemmt und schwer verletzt war. In einer herzzerreißende Szene entschied sich der abgebrühte Biologiestudent North dazu, das anscheinend nicht mehr zu rettende Tier schnell und hoffentlich schmerzlos zu töten.

Dann ging es weiter durch den dunklen Tunnel. Der Ausgang des Tunnels war bald in Sichtweite und die Charaktere konnten dort sich bewegende Schatten erkennen, die offenbar von Menschen stammten. Noch bevor der Ausgang erreicht war, war von ihnen allerdings keine Spur mehr zu sehen. Die ganze Sache wurde den Charakteren (und Spielern) zunehmend unheimlicher. In den Wäldern neben der Landstraße erspähte man ein Haus auf einem Hügel. In ihm brannte Licht! Schnurstracks machten sich die beiden mutigen Studenten auf in Richtung Haus. welches sie trotz des angelassenen Lichtes im Kinderzimmer verlassen vorfanden.
Die Inneneinrichtung war größtenteils verwüstet, der Strom lief aber. Als die Charaktere sich dazu entschlossen, in der Küche nach Lebensmitteln für den schnellen Hunger zu suchen, fiel allerdings die ganze Beleuchtung des Hauses aus. Dies geschah mehrfach, teils über längere Zeit hinweg. Zwei oder dreimal kam dann von draußen ein gleißend heller Lichtschein durch die Fenster. Vom Dachboden aus hörten die Charaktere ein dumpfes Poltern, welches immer stärker wurde. Als sie den Mut aufbrachten oben nachzusehen, sahen sie, daß die Oberdecke des ersten Stockwerks zum Dachboden hin eingestürzt war. Den beiden Studenten wurde nun wirklich Angst und Bange, denn: Jemand oder etwas musste im jetzt irgendwo Haus sein!
Schließlich kam eine weitere Gestalt durch das Loch in der Decke...sie war in der Dunkelheit schwer zu erkennen, aber hatte einen viel zu langen Körper und zu großen Kopf für einen Menschen, war sehr schnell und gab seltsame Geräusche von sich! Unsere beiden Männer der Wissenschaft hatten eine höllische Angst, aber reagierten nicht panisch. North wagte sogar einen Schlag mit der Axt, die er vorher im Keller des Hauses gefunden hatte. Er traf das Wesen, offenbar ein Alien, am Arm und es sprang mit einem gewaltigen Satz wieder nach oben auf den Dachboden. Zeit zum Fliehen! Im Erdgeschoss angekommen, nach weiteren Stromausfällen und Blitzen, sahen die Charaktere durch die Fenster mehrere Gestalten um das Haus schleichen. Also entschieden sie sich umzukehren und ganz nach oben auf den hoffentlich gerade nicht mehr alienbefallenen Dachboden zu gehen, der so eine Art "Bahnsteig" für sie zu sein schien. Tatsächlich war der Dachboden gerade leer und man konnte dort ein größeres Loch im Dach und ein CB-Funkgerät entdecken. Sobald das Licht wieder angehen würde, der Strom also lief, wollten die Studenten einen Notfunkspruch absetzen. Dies taten sie auch, aber vorher töteten sie aus versehen vor Schreck einen nach oben kommenden, unbemerkt ins Haus eingedrungenen Polizisten mit ihrem Beil, weil sie ihn für ein Alien hielten. Es betraten dann 3 Aliens den Raum, die sich den Charakteren näherten, die schon ihr Ende besiegelt sahen. Doch ein weiterer greller Lichtblitz zuckte auf und als die Aliens direkt unter der kaputten Dachstelle standen, waren sie plötzlich verschwunden. Panisch versuchten die Charaktere, das Haus zu verlassen und das Polizeiauto zu finden, was sie auch schafften, aber weitere Aliens waren ihnen auf den Fersen. Vermutlich weil das Mutterschiff der Aliens gerade wieder abgeflogen war, funktionierte auch das Auto plötzlich und sprang an! Valentin drückte richtig aufs Gas, konnte aber in Alien, was sich an die beifahrerseite "geheftet" hatte nicht abschütteln. Es durchstieß das Seitenfenster und rammte seinen dünnen Arm in den schreiend geöffneten Mund von North Schuh, drang tief in seinen Rachen ein und riss ihm von dort aus das Herz aus der Brust!! Bah! Aufgepeitscht von den Ereignissen und dem Tod seines besten Freundes, schaffte es Valentin, den Alien abzuschütteln und zu entkommen. In Duisburg angekommen streifte er tagelang ziellos durch die Straßen und verbrachte die meiste Zeit mit beiden Händen vor dem Gesicht, schwer atmend auf Parkbänken. So endete unsere Schauergeschichte!

Das war ein Spitzenabend! Das Spielsystem hat es geschafft, uns durch seine im Kartenmechanismus "eingebaute" Spannung, in Verbindung mit der Geschichte und den von mir am Spieltisch eingesetzten Stilmitteln, wie Dunkelheit und Gruselmusik, komplett zu thrillen! Es war wirklich gruselig! So ähnlich hatte ich das bisher nur mal bei Cthulhu Dark, aber nicht ganz in dieser Qualität. Grin läuft von den Regeln her so einfach und flüssig, dass man sich gänzlich ins Rollenspiel hineinstürzen kann. Und obwohl wir heute Abend sicherlich keine erzählerischen oder rollenspielerischen Höchstleistungen abgeliefert haben: Es blieb immer spannend und nach dem Spiel waren wir alle (auch die Spielerin des toten Charakters) sichtlich zufrieden und konnten garnicht genug von Grin kriegen, weshalb wir es beim nächsten Mal gleich nochmal mit einem neuen Abenteuer und mehr Mitspielern probieren wollen. 10 von 10 Punkten von mir!

Gute Nacht! Hahahaaahahahaaaaahaaaahaaahahahahaaaaahahahaaaaarrrrr!

Der Spielleiter

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